Asien

Forschungsstandort Fernost

Exzellente Infrastrukturen, gut ausgebildete Fachkräfte und steuerliche Vorteile: Asien bietet deutschen Unternehmen ideale Standortbedingungen für Innovationsprozesse.

Asien entwickelt sich nicht nur zu einer weltweit bedeutenden Wirtschaftsregion. Der Ferne Osten ist auch ein attraktives Feld für Forschung und Entwicklung (FuE). Gut ausgebaute Infrastrukturen, vorbildlich ausgebildete Fachkräfte, staatliche Förderprogramme und ideale rechtliche Rahmenbedingungen für Forscher locken ausländische Unternehmen. Auch viele deutsche Firmen nutzen den Rahmen und siedeln FuE-Aktivitäten im asiatischen Raum an.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF zum Beispiel betreibt seit 2006 unter anderem ein Forschungszentrum in Singapur. 40 Mitarbeiter erforschen dort nach Unternehmensangaben die Herstellung und die Einsatzmöglichkeiten von Nanobeschichtungen. In den vergangenen fünf Jahren investierte der Chemiekonzern rund 20 Millionen Euro in Singapur. Das Land zählt zu den führenden Nanonationen neben Taiwan, Südkorea und Japan. BASF hat weitere FuE-Standorte in Shanghai in China und Chandivali in Indien.

Auch Mittelstand nutzt Möglichkeiten
Einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zufolge waren 2010 rund 16 Prozent der deutschen Industrieunternehmen forschend im Ausland aktiv. Der DIHK befragte dafür hauptsächlich kleine und mittelständische Unternehmen. Das Ergebnis zeigt, dass auch sie den Schritt in den Fernen Osten wagen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Bonner Maschinenbauer Kautex: An seinem Standort in der Provinz Guangdong in Südchina beschäftigt das Unternehmen seit 1994 rund 130 Mitarbeiter. Sie entwickeln auf Basis des deutschen Know-hows Produkte für die Anforderungen des asiatischen Marktes. „Diese Maschinenserie ist kein Billigersatz für unsere deutschen Produkte“, erklärt Produktmanager Thomas Berghöfer. „Wir nutzen unser Wissen, das wir in Asien gewinnen, auch, um unsere bewährte Blasformtechnik für den internationalen Markt noch attraktiver zu machen.“ Laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim lohnt sich ein FuE-Engagement im Ausland für Unternehmen auch finanziell: Sie verzeichnen bis zu zwei Prozent mehr Gewinn als Firmen, die nur in Deutschland FuE betreiben.

Gut und erfolgreich eingebunden

Die Reputation deutscher Innovationsaktivitäten in Asien ist hoch. Das zeigt das Beispiel Siemens. Bereits zum dritten Mal in Folge zeichnete das chinesische Wirtschaftsmagazin „Global Entrepeneur“ den Münchener Konzern für seine zentrale Forschungsabteilung aus. Siemens Corporate Technology China ist seit 1999 in Peking angesiedelt. 160 Wissenschaftler entwickeln dort hauptsächlich „smarte Technologien“. Das sind Technologien und Lösungen, die in erster Linie optimal für eine bestimmte Region zugeschnitten sind, aber trotzdem Potenzial für den Weltmarkt haben. Mit dieser Forschungsstrategie habe Siemens „die lokalen Innovatoren sehr gut und erfolgreich eingebunden“, schrieb die Chefredakteurin des „Global Entrepreneur“.

„Peking ist ein Talentpool“
China ist ein besonders begehrtes Pflaster für FuE in Asien. Die Volksrepublik versprüht nicht nur mit lukrativen Steuervorteilen seinen Reiz für forschende Unternehmen aus dem Ausland, sondern auch mit zahlreichen Universitäten: „Peking ist in China einfach ein Talentpool“, wird Peter Bauer, Chef des Münchener Halbleiterkonzerns Infineon, in der Wirtschaftszeitung Handelsblatt zitiert. Infineon betreibt in China bereits drei Entwicklungszentren, unter anderem in Peking. Dort entwickelt der Konzern Mikrochips für staatlich geförderte Zukunftsbranchen, etwa für die Elektromobilität, die Windenergie oder den Mobilfunk. Laut Unternehmensangaben investierte Infineon in den Aufbau des Forschungszentrums einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“. Geld, das gut angelegt sein wird am Forschungsstandort Fernost.

 

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Quelle: Innovationsindikator 2011