Venture Capitel
"Potenzial ist in Europa vorhanden"
Interview mit Dörte Höppner, Generalsekretärin des Europäischen Private Equity- und Venture Capital-Verbandes (EVCA) in Brüssel, über Wagniskapital in den USA und Europa.

Frau Höppner, in Innovationsrankings sind die USA abgefallen, das Land kämpft mit einer massiven Schuldenlast. Funktioniert der Finanzierungsmarkt für junge Unternehmen noch?
Es ist richtig, dass das Venture-Capital-Volumen in den USA wie anderswo in der Wirtschaftskrise zurückgegangen ist. Doch auch bei kleinerem Volumen ist der Markt nach wie vor stark und auch grundsätzlich funktionstüchtig, um Innovationen hervorzubringen. Aktuell wird zum Beispiel im großen Stil in Firmen im Silicon Valley investiert. Die Region zieht traditionell rund ein Drittel aller Venture-Capital-Investitionen der USA auf sich.
Und hat so Größen wie Google, Facebook oder Apple hervorgebracht. Es scheint so, als sei die Erfolgsquote in den USA höher als in Europa.
Wenn Firmen aufsteigen, bleibt das nicht im Verborgenen. Zahlreiche Investoren hängen sich an und profitieren. Auch in den USA aber müssen Geldgeber mit Ausfällen leben. In Europa gibt es weniger solcher großen Zugpferde, doch auch europäische Fonds sind mit Investitionen extrem erfolgreich und fördern Innovationen, die weltweit Erfolge feiern. Ein jüngeres Beispiel hierfür ist Skype.
Dennoch ist der europäische Wagniskapitalmarkt sehr viel kleiner als der amerikanische. Woran liegt's?
Direkte Vergleiche hinken ein wenig, aus mehreren Gründen. Einer ist, dass alternative Finanzierungsformen in den USA eine sehr viel längere Tradition haben als in Europa. Mit einem Vorsprung von mehr als 20 Jahren haben sich in den USA andere Strukturen herausbilden können. Zum Beispiel sind dort die Finanziers andere. Während in Europa vornehmlich Banken und Versicherungen als Geldgeber auftreten, sind es in den USA große Pensionskassen und Stiftungen der Universitäten. Auf europäischer Ebene Vergleichbares gibt es in erster Linie in Großbritannien, dem größten Venture-Capital-Markt in Europa, sowie in den nordischen Staaten, wo es ebenfalls große Pensionskassen gibt. Kulturelle Unterschiede spielen ebenso eine Rolle. Wer in den USA etwas wagt und scheitert, bekommt bei einem zweiten Anlauf nicht weniger Chancen eingeräumt, eher ist das Gegenteil der Fall. In Europa dagegen gilt ein Scheitern eher als Malus.
Was könnte aus Ihrer Sicht den europäischen Markt stimulieren?
Wünschenswert sind weitere Dachfonds auf europäischer Ebene, die privat gemanagt und staatlich gestützt werden. Solche Dachfonds können gegenüber Investoren weltweit als überzeugendes Aushängeschild dienen. Ebenso wünschenswert sind regulatorische Maßnahmen, die institutionellen Investoren keine Steine in den Weg legen. Im Moment ist in vielen europäischen Staaten leider genau das der Fall. Wenn man will, dass privates Kapital Innovationen fördert, braucht Europa eine durchdachte Finanzmarktregulierung. Darauf versuchen wir hinzuwirken. Das Potenzial ist in Europa absolut vorhanden. Es braucht stimmige Rahmenbedingungen und die Bereitschaft aller Beteiligten, Risiken einzugehen. Es ist sicher ein langer Weg, doch ich glaube, dass sich der europäische Markt für alternative Finanzierungen ähnlich gut entwickeln kann wie in den USA.
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