Subindikatoren

Bildung

Das Bildungs- und Qualifikationsniveau der Bevölkerung ist eine zentrale Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit von Volkswirtschaften. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer zunehmenden Wissensintensivierung der Wirtschaft werden Bildung und Qualifikation in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen. Der Hochschulbildung kommt im Kontext von Innovation eine besondere Rolle zu. Sie stellt ohne Zweifel eine wichtige Komponente jeder Wissensgesellschaft dar. Damit ist die Bedeutung von Bildung für das Innovationssystem aber bei Weitem nicht erschöpft.

Ein hohes Qualifikationsniveau von Facharbeitern ist eine notwendige Voraussetzung, nicht nur um erfolgreich Innovationen hervorzubringen, sondern auch um sie erfolgreich anzuwenden. Im Zuge sich verändernder Innovationsprozesse und einer wachsenden Bedeutung von Vermarktungs- und Umsetzungsaktivitäten wird auch die Bedeutung dieser mittleren Qualifikationsabschlüsse zunehmen.



Mit der Neuausrichtung des Innovationsindikators wurde ein stärkerer Schwerpunkt auch auf die berufliche Ausbildung gelegt – sowohl in Vollzeitschulen wie auch im dualen System. Gleichwohl ist es schwierig, berufliche Abschlüsse international vergleichbar zu erfassen, wie ein Expertenworkshop im Vorfeld dieses Berichtes deutlich gemacht hat. Daher wird sich einer der zukünftigen Berichte zum Innovations­indikator der beruflichen Bildung als Schwerpunktthema widmen. Gleichwohl, unter den neun Bildungsindikatoren, die zur Beschreibung des Subsystems Bildung im neuen Innovationsindikator herangezogen werden, zielt einer explizit auf die beruflichen Abschlüsse und deren Rolle im Innovationsprozess: der Anteil der Beschäftigten mit mindestens einem Sekundarstufe-II-Abschluss ohne Hochschulabschlüsse.

Die Abschlüsse der Sekundarstufe II beinhalten in Deutschland das Abitur, alle beruflichen Ausbildungsabschlüsse sowie die höheren beruflichen Abschlüsse wie Meister oder Techniker. Diese Gruppe ist international gut vergleichbar, obwohl es in anderen Ländern teilweise eine Überschneidung mit Hochschulabschlüssen gibt. Diese wiederum sind in den Einzelindikatoren Anteil der Beschäftigten mit tertiärer Bildung sowie Promovierte (ISCED 6) in den MINT-Fächern enthalten, sodass sich diese drei Indikatoren direkt ergänzen und eine differenzierte Betrachtung erlauben. Alle Indikatoren haben sich im empirischen Modell für die Innovationsfähigkeit von Volkswirtschaften als relevant gezeigt. Über den PISA-Index, der im Wesentlichen die Vermittlung von Kompetenzen in den allgemeinbildenden Schulen erfasst, sowie die jährlichen Bildungsausgaben für die Tertiärstufe und in Forschung und Entwicklung sowie über den Anteil der ausländischen Studierenden sind weitere Aspekte des Bildungssystems abgedeckt. In der Liste der Indikatoren finden sich auch zwei weiche Faktoren, die Qualität des Bildungssystems und – für die Innovationsfähigkeit besonders wichtig – die Qualität der mathematisch-naturwissenschaftlichen Erziehung. Mit diesen Indikatoren werden also sowohl die allgemeinbildende, die berufliche als auch die akademische Ausbildung bewertet.

Besonders wichtig zu betonen ist, dass Bildungsanstrengungen und Bildungsinvestitionen eine große Wirkungsverzögerung haben. Investitionen in die Hochschulbildung zeigen in der Regel frühestens nach fünf Jahren erste Effekte auf dem Arbeitsmarkt, Politikmaßnahmen und Investitionen in die allgemeine Bildung bis hin zur frühkindlichen Bildung sogar erst nach 10 bis 20 Jahren. Insofern ist es im Bildungsbereich umso wichtiger, die Entwicklungen und die Bedürfnisse von Anbietern und Nachfragern mit hinreichendem Weitblick zu betrachten. Kurzfristige Effekte einer neuen Bildungspolitik sind selten.

Die Reihenfolge der Länder beim Subindikator Bildung ist deutlich anders als die beim Gesamtindikator oder bei den beiden Subindikatoren Wirtschaft und Wissenschaft. In der Bildung haben die neueren Wettbewerber häufig die bessere Position. So liegt Singapur (Indikatorwert 79) an erster Stelle, gefolgt von Taiwan (78), dann erst kommen mit der Schweiz (77), Australien (66) und Finnland (64) die ersten traditionellen Industrieländer. Mit Kanada (58) und Belgien (57) endet die obere Hälfte des Mittelfelds, das bis Irland (54) auf dem neunten Platz reicht. China (50) befindet sich auf dem 13. Platz und damit auf Augenhöhe mit Großbritannien (51), Österreich (50) und Frankreich (50). Dann folgt eine Gruppe aus USA (48), Norwegen (47) und Deutschland (46), die noch einen größeren Vorsprung zu den Niederlanden (39), Japan (39) und Dänemark (38) vorweisen kann. Am unteren Ende stehen zwar ebenfalls die Länder, die im Gesamtranking weit unten stehen, jedoch in einer anderen Reihenfolge. So liegt Italien (14) sogar noch hinter Russland (20). Spanien (4) platziert sich hinter Indien (9) nahezu auf der gleichen Höhe wie Brasilien (0) und Südafrika (0), die beide ihre Bildungssysteme noch nicht hinreichend auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft haben einstellen können – jedenfalls nicht in der Breite der Bildungsgänge und für alle Teile der Gesellschaft erreichbar.

Subindikator Bildung
Singapur
79
Taiwan
78
Schweiz
75
Australien
66
Finnland
64
Kanada
58
Belgien
57
Schweden
54
Irland
54
Korea
52
Großbritannien
51
Österreich
50
China
50
Frankreich
50
USA
48
Norwegen
47
Deutschland
46
Niederlande
39
Japan
39
Dänemark
38
Russland
20
Italien
14
Indien
9
Spanien
4
Brasilien
0
Südafrika
0
Alle Berechnungen auf Basis der neuen Methode
Quelle: Innovationsindikator 2011

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