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Subindikatoren
Gesellschaft
Gesellschaftliche Faktoren haben auf die Innovationsfähigkeit und die Innovationsneigung einer Volkswirtschaft eine vielfältige Wirkung. Nicht nur, dass die Bürger Anwender und Konsumenten von Innovationen sind. Das ist ein wichtiger Aspekt. Es geht aber auch um Fragen der Ethik, das Interesse an Technik und die Begeisterung für Neues. Wie risikofreudig sind die Mitglieder einer Gesellschaft beispielsweise bei der Gründung von neuen Unternehmen oder der Anwendung neuer Technologien? Gibt es große Vorbehalte gegenüber neuen technologischen Lösungen wie der Gentechnik oder der Nanotechnologie oder ist man offen und anwendungsfreudig wie es in Deutschland bei Umwelttechnologien vergleichsweise häufig der Fall ist? Man könnte für diesen Subindikator auch den Begriff der Innovationskultur einführen, der die Offenheit gegenüber innovativen Ansätzen und Ideen sowie auch die Zielstrebigkeit beim Erreichen und Umsetzen von Innovationen meint.
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Der Subindikator Gesellschaft versucht, verschiedene Dimensionen dieser Wirkungen abzubilden, und bedient sich dabei unterschiedlicher Einzelindikatoren. Aus der Vielzahl von Indikatoren zur Beschreibung von Gesellschaften und sozialer Phänomene wurden für den Innovationsindikator nur jene ausgewählt, die im ökonomischen Modell einen Erklärungsbeitrag für die Innovationsfähigkeit und -leistung der Volkswirtschaften erbracht haben. Als Resultat stehen vier Indikatoren zur Verfügung. Der E-Readiness-Indikator misst die Nutzung von elektronischen Medien und dem Internet beispielsweise bei Bürgerdiensten wie Anträgen auf Ämtern oder Behörden. Der Indikator Risikofreude der Bevölkerung zeigt unter anderem an, wie weit die Bürger bereit sind, risikoträchtige Entscheidungen, zum Beispiel die Gründung eines Unternehmens oder die Anschaffung neuer Technologien, zu fällen. Der Inglehardt-Index misst den Anteil der Postmaterialisten in der Bevölkerung. Es ist interessant zu sehen, dass dieser ursprünglich aus der Soziologie und Politikwissenschaft stammende Index in der Lage ist, einen Erklärungsbeitrag zur Innovationsfähigkeit von Innovationssystemen zu leisten. Dies liegt in erster Linie an der materiellen Ausstattung der postmodernen Gesellschaften, die es sich leisten können, Teile ihres Wohlstands in anderen Bereichen als der Existenzsicherung zu investieren. Scheinbar gibt es aber neben dem Wohlstand noch weiter damit verbundene Faktoren, die der Index abbildet, denn sonst würde das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, das im Subindikator Wirtschaft verankert ist, zur Erfassung dieses Zusammenhangs ausreichen. Der vierte Einzelindikator im Bereich Gesellschaft ist die Anzahl der Personal Computer je 100 Einwohner, der einerseits die Nutzung und andererseits aber auch die Bereitschaft und Fähigkeit zur Finanzierung von Technologien abbildet.
Kanada (Indikatorwert 92), ein Land, das bisher noch bei keinem der Indikatoren vorne stand, steht beim Subindikator Gesellschaft an erster Stelle. Kanada hat einen hohen Verbreitungsgrad von Personal Computern, außerdem sind postmaterialistische Werte in der Gesellschaft weit verbreitet. Schweden (74) und die Niederlande (73) folgen mit deutlichem Abstand auf den Plätzen 2 und 3. Die drei deutschsprachigen Länder Österreich (67), Deutschland (62) und die Schweiz (62) liegen auf den Plätzen 4 bis 6 und Großbritannien (61) auf dem siebten Rang. Die deutsche Bevölkerung gilt im internationalen Vergleich als risikofreudig. Ein Ergebnis, das im Widerspruch zur landläufigen Ansicht steht, dass die Deutschen eher risikoscheu seien. Tatsächlich ist auch die Gründungsneigung in Deutschland niedriger als in vielen anderen Ländern, wie zum Beispiel der Global Entrepreneurship Monitor belegt. Allerdings liegt dies nicht notwendigerweise an einer geringen Risikobereitschaft, sondern mehr an den günstigen Erwerbsmöglichkeiten von gut qualifizierten und unternehmerisch veranlagten Personen in bestehenden Unternehmen. Angesichts der Karrieremöglichkeiten, die diesen Personen in den großen multinationalen Unternehmen offenstehen, ist ein Verzicht auf die Mühen und Unwägbarkeiten einer Unternehmensgründung verständlich. Insgesamt ist die Bevölkerung in Deutschland Neuem zumindest ebenso aufgeschlossen wie die Menschen in den meisten anderen Industrieländern. In vielen Gebieten weisen die Konsumenten in Deutschland sogar eine sehr hohe Technikaffinität auf, die allerdings auch von einer kritischen Kosten-Nutzen-Überlegung begleitet wird. Beim E-Readiness-Indikator schneidet Deutschland allerdings unterdurchschnittlich ab, wofür aber primär die öffentliche Verwaltung verantwortlich ist. Der Spielraum bei der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien in Behörden und Ämtern ist noch beträchtlich. Bei der Verbreitung von Computern liegt Deutschland im oberen Mittelfeld, bei der Verbreitung von postmaterialistischen Werten ist die Position noch besser.
Die USA (46) liegen gleichauf mit Frankreich (46) hinter Australien (56) und Norwegen (49) auf Rang 11. Die E-Readiness gehört dabei zu den US-amerikanischen Stärken. Dagegen liegen die USA seit der jüngeren Vergangenheit sowohl bei der Risikofreude als auch bei der Verbreitung von Personal Computern im Mittelfeld des Länderrankings. Die Bevölkerung in anderen Ländern hat wesentlich stärker und schneller ihre Hardware-Ausstattung erweitert. Interessant ist auch, dass die USA bei den postmaterialistischen Werten, bei denen sie lange eine vordere Position einnehmen konnten, in jüngerer Zeit ebenfalls zurückfielen. Offensichtlich schlägt die schlechtere ökonomische Situation in den USA bereits direkt und ohne Zeitverzug auf die Einstellungen in der Bevölkerung durch. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ scheint also auch für hoch entwickelte Gesellschaften zu gelten.
Die asiatischen Länder liegen allesamt in der unteren Hälfte der Liste. Hinter Finnland (40) und Italien (39 findet sich Singapur (39) als erste aus der Reihe der asiatischen Nationen auf Rang 14 und Taiwan (34) auf Rang 16. Japan (21) und Südkorea (18) erreichen die Plätze 20 und 21, Indien (0) und China (0) die Ränge 24 und 25. Am Ende steht Russland (0). Dabei schneidet Singapur bei der E-Readiness mit einem siebten Rang recht gut ab. Taiwan punktet erwartungsgemäß bei der Verbreitung von Personal Computern. Es erreicht bei diesem Einzelindikator den fünften Platz.
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