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Generation Y

Ihre Bedingungen verändern die Arbeitswelt

Sie sind selbstbewusst, anspruchsvoll, gut ausgebildet, Web-2.0-affin, wollen einen sinnvollen, gut bezahlten Job und mehr Freizeit: Junge Berufseinsteiger zwischen 20 und 30 haben andere Erwartungen an die Arbeitswelt als die Jahrgänge vor ihnen. Als Generation Y in aller Munde stellen sie Unternehmen vor ganz neue Herausforderungen.

Ganz bewusst hat sich Nils Lattek vor einiger Zeit für das kleine Unternehmen GeoMobile GmbH in Dortmund entschieden, nachdem er zuvor in einer größeren Firma beschäftigt war. „Die Projekte, an denen ich bei GeoMobile arbeite, sind spannender und ich kann eigene Ideen umsetzen und mitgestalten“, erzählt der 28-Jährige. Der studierte Informatiker entwickelt innovative Apps etwa für ein Radportal in Essen. Auch für Kerstin Duchatz, die mit 25 Jahren ebenfalls schon einmal die Stelle gewechselt hat, waren die Entwicklungsmöglichkeiten und die spannende Bandbreite der Projekte ausschlaggebend für die Wahl ihres neuen Arbeitgebers. Vor vier Monaten heuerte die studierte Ökonomin bei der Essener Kalle Krause GmbH an, einer Spezialistin für Live-Marketing, und leitet dort bereits eigenverantwortlich Projekte mit großen Budgets. Wichtig für beide war das kollegiale Betriebsklima, transparente Entscheidungswege und die ausgeprägte Feedback-Kultur. „Entscheidend waren für mich auch flexible Arbeitszeit sowie das ausgeglichene Verhältnis von Arbeit und Freizeit,“ sagt Nils Lattek.

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Mobil, ehrgeizig, anspruchsvoll: Junge Arbeitnehmer haben andere Erwartungen an die Arbeitswelt als die Generationen vor ihnen.

Mit ihren anspruchsvollen Erwartungen gelten Nils Lattek und Kerstin Duchatz als typische Vertreter der neuen Mitarbeitergeneration Y, die wie „Why“ ausgesprochen wird. „Denn sie stellt vieles in Frage, was bislang selbstverständlich erschien und unterscheidet sich in ihren Grundhaltungen von denen vorheriger Jahrgänge“, sagt Jutta Rump, Professorin an der Hochschule Ludwigshafen, die das dortige Institut für Beschäftigung und Employability leitet. Nationale wie internationale Studien, auch die der Unternehmensberatung Ernest & Young von 2013, die gut 5000 deutsche Hochschulabsolventen befragt hat, bestätigen diese Einschätzung. Der Beruf soll Spaß und Sinn machen, die Arbeitsinhalte anspruchsvoll und das Unternehmen mit seinen Werten ins eigene Lebenskonzept passen. Schließlich kann die Generation Y einiges fordern, ist sie doch gut ausgebildet, mehrsprachig, hat Auslandserfahrung und Praktika absolviert. Auffällig ist, dass sie nicht wie noch die Baby-Boomer nach einem sicheren, lebenslangen Job streben. Angesichts dynamischer Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft setzen sie auf Flexibilität, so Jutta Rump: „Sie wollen ihre eigenen Kompetenzen stets aktuell halten, um in einer sich wandelnden Arbeitswelt beschäftigungsfähig zu bleiben – Career Security nennt man das.“ Bei der Wahl eines Arbeitsgebers sind die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten oft wichtiger als die Vergütung. Sie soll aber leistungsgerecht und fair sein.

Mehr Freizeit, mehr Team- und Projektarbeit
Noch deutlicher wird der Unterschied im Vergleich zu älteren Generationen in punkto Familie und Freunde. Die sind ihnen wichtiger als Erfolg und Karriere, entsprechend suchen sie Firmen aus, die ihnen eine vernünftige Balance zwischen Arbeit und Freizeit ermöglichen. Nicht selten hat man sie wegen dieser Haltung auch schon als faul und arbeitsscheu bezeichnet. Verwunderlich ist der Wunsch nach Work-Life-Balance für Jutta Rump nicht: „Schließlich haben sie erlebt, wie sich ihre Eltern zwischen Job und Familie aufgerieben haben und Familienstrukturen auseinandergebrochen sind.“

Eine große Herausforderung für Unternehmen ist das Kommunikationsverhalten der „Ypsiloner“. Aufgewachsen mit den technologischen Innovationen des Web 2.0., Smartphone und Co. sowie Social Networks wie Facebook und andere. Sie sind es gewohnt, sich mit Freunden und auch Fremden jederzeit, frei, überall und über jegliche Grenzen hinweg auszutauschen. Diese erlernten Interaktionsmuster suchen sie auch im Berufsleben. So legen sie großen Wert auf regelmäßigen Austausch mit Chefs und Kollegen, auf freundschaftliches Miteinander, transparente Entscheidungen, Mitbestimmung und präferieren Team- und Projektarbeit. Starre Hierarchien und Führung per Ansage lehnen sie ab. „Ihre Chefs sehen sie eher als Berater oder kompetente Vorbilder. Sie erwarten von ihnen Handlungsspielräume, innerhalb derer sie ihre Aufgaben selbst gestalten können, aber auch regelmäßiges Feedback, das sie voranbringt“, erklärt Rump. Selbstverständlich ist für sie die Ausstattung des Arbeitsplatzes mit modernster Technik. Auch Führungsverantwortung können sich viele von ihnen vorstellen, wie die Studie von Ernest & Young belegt. Allerdings streben sie weniger eine lineare Karriere an mit formaler Macht als vielmehr Verantwortung in wichtigen Projekten. Doch der Einfluss von Web 2.0 hat auch seine Schattenseiten, wie Personalmanager immer wieder feststellen. Ihr schnell erlerntes Wissen ist oft lückenhaft und oberflächlich, Bewertungen und Analysen ebenfalls.

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Jährliche Bildungsausgaben (Tertiärstufe einschl. FuE) je Studierenden
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100
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54
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50
Norwegen
48
Schweden
40
Niederlande
40
Dänemark
39
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37
Finnland
33
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31
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29
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29
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0
Quelle: Innovationsindikator 2013