Ausblick

China holt auf

Japan als zweitgrößter Technologieproduzent steht ebenfalls vor besonderen Herausforderungen. Nach zwei Jahrzehnten der wirtschaftlichen Stagnation hat es seine führende Position in vielen Technologiefeldern eingebüßt, zumindest was die Rolle als Hersteller von Technologiewaren betrifft. Japan hat dabei wie kaum ein anderes Land die neuen Konkurrenten aus seiner ostasiatischen Nachbarschaft – zunächst Taiwan und Südkorea, mittlerweile auch China, Vietnam, Malaysia, Thailand und andere – zu spüren bekommen. Es muss seine Position im Innovationswettbewerb zum Teil neu bestimmen und dabei auch in neue Felder investieren. Dies wird durch die hohen Kosten für den Wiederaufbau der von Erdbeben und einem Tsunami zerstörten Infrastruktur nicht einfacher. Hinzu kommt, dass sich Japan mit den neuen Anforderungen der Globalisierung schwerer tut als andere Staaten. Die Internationalisierung des Forschungs- und Innovationssystems ist trotz der hohen internationalen Marktpräsenz japanischer Konzerne gering. Dieses Problem ist Japan bewusst und es wird sicherlich die nächsten Jahre aktiv gegensteuern. Insofern wird auch von dieser Seite der Innovationswettbewerb schärfer werden.

Dass China die globalen Verhältnisse neu definieren wird, ist mittlerweile ein Gemeinplatz. Bei Forschung und Innovation ist das Land bisher aber noch nicht so stark in Erscheinung getreten, wie es seiner Größe, seinen Potenzialen und seiner Dynamik entspräche. Bisher konnte China vor allem bei wissenschaftlichen Publikationen aufholen. Zuletzt legten auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung kräftig zu. Bei internationalen Patentanmeldungen oder gar bei Weltmarktneuheiten ist das Land erst wenig vertreten. Dies wird sich im Laufe dieses Jahrzehnts mit großer Wahrscheinlichkeit ändern. China wird dann nicht nur der größte Nachfrager neuer Technologien sein, sondern auch einer der größten Anbieter – und das nicht nur bei arbeitsintensiven Produkten auf der Grundlage von Technologien, die anderswo entwickelt wurden, sondern auf Basis eigener Erfindungen. Diese Entwicklung schafft ganz neue Voraussetzungen für die Zusammenarbeit und den wirtschaftlichen Austausch mit China.

Neue Konkurrenten und neue Koopera-tionspartner
Nicht vergessen werden dürfen dabei die anderen neuen Industrieländer, insbesondere Indien, Brasilien, Südafrika und Russland, aber auch die südostasiatischen Länder und andere Länder Südamerikas sowie des Nahen und Mittleren Ostens. Sie sind gerade dabei, ihre Position im Technologiewettbewerb zu bestimmen. Manche verfolgen die Strategie von Nischenanbietern, andere versuchen den Einstieg in die Hightechproduktion, andere wiederum richten ihr FuE- und Innovationssystem am Technologiebedarf anderer Schwellen- und Entwicklungsländer aus. Auf jeden Fall entstehen hier neue Konkurrenten und Kooperationspartner für Deutschland.

Der Innovationsindikator wird in den kommenden Jahren diese Entwicklung genau verfolgen. Künftige Ausgaben des Innovationsindikators werden über Schwerpunktthemen wie berufliche Bildung, Entwicklung in einzelnen zentralen Technologiefeldern, beispielsweise Energietechnologie, oder der Beteiligung von Frauen einige der für Deutschland besonders wichtigen Themen aufgreifen und analysieren.

 

Gesamtindikator
Schweiz
76
Singapur
63
Schweden
61
Deutschland
57
Finnland
57
Niederlande
56
Norwegen
55
Österreich
53
USA
53
Belgien
52
Kanada
51
Taiwan
50
Dänemark
50
Frankreich
50
Großbritannien
49
Australien
48
Irland
47
Korea
43
Japan
39
Spanien
24
China
18
Italien
16
Indien
12
Russland
10
Brasilien
0
Südafrika
0
Alle Berechnungen auf Basis der neuen Methode
Quelle: Innovationsindikator 2011

Forschungsstandort Fernost

Exzellente Infrastrukturen, gut ausgebildete Fachkräfte und steuerliche Vorteile: Asien bietet deutschen Unternehmen ideale Standortbedingungen für Innovationsprozesse.
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