Ausblick

In Bildung investieren

Deutschland darf somit bei seinen Forschungs- und Innovationsanstrengungen nicht nachlassen, sondern muss weiter expansiv investieren. Gleichzeitig muss es seine großen Schwachstellen angehen. Denn trotz der derzeit günstigen Position gibt es in mehreren Feldern akuten Aufholbedarf: So ist das deutsche Bildungssystem weiterhin nicht in der Lage, allen jungen Menschen eine Qualifikation zu vermitteln, die den Anforderungen unserer modernen und sich rasch wandelnden Welt und der Qualifikationsnachfrage der Unternehmen entspricht. Für das Innovationssystem sind die berufliche Bildung und die Hochschulbildung von besonderer Bedeutung. Langfristige Verbesserungen erfordern aber Anstrengungen auf allen Ebenen, von der Kita bis zur Hochschule und darüber hinaus in der Fort- und Weiterbildung. Verbesserungen müssen letztlich Verbesserungen des Unterrichts sein, als Voraussetzungen für bessere Kompetenzen der Schüler. Dabei müssen Bund, Länder und Kommunen zusammenarbeiten. Solche Bildungsbündnisse benötigen Handlungsspielräume. In der Bildungspolitik muss deshalb das bestehende Kooperationsverbot fallen.

Auch darf der Staat bei der Schaffung und Sicherung innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen nicht nachlassen. Um die Erfolge der Hightechstrategie fortzusetzen, müssen sowohl die Anreize für private Investitionen in Forschung und Entwicklung verstetigt als auch die neuen technologischen Herausforderungen, die durch die Energiewende entstanden und zur Erreichung der Klimaziele nötig sind, offensiv angegangen werden. Zudem steht Deutschland ab der zweiten Hälfte dieses Jahrzehntes eine weitere Verschärfung der Fachkräfteknappheit bevor. Verstärkte Bildungsanstrengungen können dagegen kurzfristig nichts ausrichten, da sie erst mit einer gehörigen Zeitverzögerung von ein bis zwei Jahrzehnten wirken. Es wird daher darauf ankommen, die vorhandenen Potenziale besser zu nutzen. Dazu gehört eine wesentlich umfassendere Beteiligung von Frauen an Forschung und Innovation. Hier zählt Deutschland heute zu den Schlusslichtern unter den entwickelten Ländern. Gleichzeitig muss sich Deutschland weiter als heute für eine Zuwanderung von Fachkräften öffnen und die bereits hier lebenden Migranten besser integrieren. Hier ist nicht nur das Bildungssystem, sondern die gesamte Gesellschaft gefordert.

Schwierige Rahmenbedingungen
Die kommenden Jahre werden für die Forschungs- und Innovationspolitik in Deutschland nicht einfach. Denn die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden instabil bleiben. In Europa werden die Schuldenkrise und die Sparbemühungen der betroffenen Länder weiterhin eine Belastung für die wirtschaftliche Erholung bilden und die Investitionsspielräume der öffentlichen Haushalte einschränken. Damit die für Bildung, Forschung und Innovation benötigten öffentlichen Mittel zur Verfügung stehen, müssen sie strikt als das angesehen werden, was sie sind: Investitionen in die Zukunft des Landes. Die öffentlichen Haushalte sollten sukzessive so umgeschichtet werden, dass jene Ausgaben verstärkt werden, die die Grundlage für künftiges Wachstum und Produktivitätssteigerungen legen. Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahrzehnt diesen Weg bereits eingeschlagen, er sollte konsequent fortgesetzt werden.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die USA. Durch die hohen Militärausgaben des vergangenen Jahrzehnts und die chronisch defizitäre Leistungsbilanz sind die USA heute das mit weitem Abstand größte Schuldnerland der Welt. Ob es den USA gelingt, ihren Staatshaushalt zu konsolidieren und gleichzeitig ihre großen wirtschaftlichen Probleme zu lösen, ist offen. Denn auch wenn sich das weltwirtschaftliche Gewicht allmählich nach Asien verschiebt, werden die USA auf absehbare Zeit die größte Volkswirtschaft der Erde und der größte Technologieproduzent bleiben und damit auch das Tempo bei Forschung und Innovation, positiv wie negativ, wesentlich beeinflussen.

Subindikator Bildung
Singapur
79
Taiwan
78
Schweiz
75
Australien
66
Finnland
64
Kanada
58
Belgien
57
Schweden
54
Irland
54
Korea
52
Großbritannien
51
Österreich
50
China
50
Frankreich
50
USA
48
Norwegen
47
Deutschland
46
Niederlande
39
Japan
39
Dänemark
38
Russland
20
Italien
14
Indien
9
Spanien
4
Brasilien
0
Südafrika
0
Alle Berechnungen auf Basis der neuen Methode
Quelle: Innovationsindikator 2011

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