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Japan enttäuscht
Japan erreicht einen bemerkenswert schlechten Platz im Ranking. Es liegt noch hinter Südkorea, obwohl es nach wie vor in absoluten Größen zu den wichtigsten Innovationsnationen gehört. Schließlich erzielt Japan aktuell bei den Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung den dritten Platz hinter den USA und China. Das japanische Innovationssystem hat es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, sich strukturell hinreichend an die neuen globalen Rahmenbedingungen anzupassen. Zwar gehören japanische Großkonzerne wie Toyota, Matsushita oder Sony weiterhin zu den jeweiligen Branchenriesen. Die neu hinzugetretenen Industrienationen Südkorea, Taiwan und China sowie einige weitere Länder haben aber die Stärken der japanischen Wirtschaft in der Elektronik untergraben und Japan in seinem traditionellen Hauptmarkt Ostasien kräftig Konkurrenz gemacht. Die japanische Wirtschaft hat mit der Konkurrenz durch die Nachbarn im Westen deutlich mehr zu kämpfen als beispielsweise die USA, die aus anderen Gründen unter Druck geraten.
Daneben hat sich das japanische Innovationssystem nicht hinreichend auf die Globalisierung von Wissenschaft und Forschung eingestellt. Japanische Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Prozess der Wissensgenerierung und -verbreitung sind international längst nicht so gut vernetzt wie andere Industrienationen. Dies belegen die auf wissenschaftlichen Publikationen basierenden Einzelindikatoren, aber auch die sehr niedrige Zahl internationaler Kopatente, das heißt Patente, die in Kooperation von japanischen und ausländischen Forschern hervorgebracht wurden, sowie die relativ geringe Zahl an ausländischen Studierenden. Das japanische System hat sich zu wenig geöffnet. In Zeiten von komplexen Technologien und rasanten Neuerungen in Wissenschaft und Forschung ist ein stark national ausgerichtetes Innovationssystem gerade bei einer auf Exporte ausgerichteten Wirtschaft dauerhaft nicht Erfolg versprechend.
Japan fehlt Öffnung nach innen
Daneben scheint das japanische System auch nach innen nicht hinreichend offen zu sein. Der weitaus größte Anteil der Forschungsaufwendungen wird in Unternehmen verausgabt, während die Anteile der öffentlichen Forschungseinrichtungen und der Universitäten eher gering sind. Zwar ist es ein aktuelles politisches Ziel, den Beitrag der öffentlichen Finanzierung von Forschung auf ein Prozent des BIP zu erhöhen. In Anbetracht der Erdbebenkatastrophe und ihrer Folgen wird dies allerdings kaum zu erreichen sein, da die Mittel anderweitig benötigt werden. Zwar ist eine hohe FuE-Beteiligung der Wirtschaft für viele Systeme ein wichtiger Antriebsfaktor und Erfolgsgarant. Es gibt auch keine Faustregel, wie hoch diese Quote sein sollte. Im Fall Japans scheint sie allerdings zu unterstreichen, dass die Interaktion zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und die Wissenschaftsanbindung der privaten Forschung zu gering sind. Schaut man tiefer in das System hinein, zeigt sich zusätzlich eine starke Versäulung des Forschungssystems, indem einzelne Institute sehr eng an einzelne Ministerien gebunden sind. Hinzu kommt, dass manche Institute gar nicht mit der Wirtschaft zusammenarbeiten können, da es keine Möglichkeit der Finanzierung durch die Wirtschaft gibt. Das Problem setzt sich noch fort, da auch die Wissenschaft sich nicht an den Fragen und den Bedarfen der Wirtschaft ausrichten kann.
Die negativen Folgen dieses Systems sind unausgeschöpfte Potenziale des Austauschs und eine zu geringe Orientierung an den aktuellen technologischen Herausforderungen der Wirtschaft. Die Analysen und Erfahrungen aus den erfolgreichen Innovationssystemen weltweit belegen jedenfalls, dass ein Austausch von Wissenschaft und Wirtschaft die technologische Entwicklung begünstigt. Nicht zuletzt deshalb war die Innovationspolitik der deutschen Bundesregierungen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gerade auf die Verbesserung und Erweiterung der Zusammenarbeit und des Austauschs von Wissenschaft und Wirtschaft ausgerichtet. Nun muss diese Funktion nicht automatisch auch in anderen Innovationssystemen die gleiche Bedeutung haben und die gleiche Wirkung zeigen. Bezogen auf Japan kann man jedoch sowohl auf der Grundlage der Indikatoren als auch auf Basis der wissenschaftlichen Literatur insgesamt ein Entwicklungspotenzial unterstellen.
Japans Stärken
Selbst wenn sich Japan einige Schwächen im Bildungssystem leistet, gehören zu den Stärken Japans dennoch die guten Leistungen im Grundschul- und Sekundarbereich. Im PISA-Vergleich der OECD schneidet Japan sehr gut ab. Die Beschäftigung von hoch qualifiziertem Personal und die nicht zuletzt darauf aufbauende Forschung in den Unternehmen sind weitere japanische Stärken. Betrachtet man nur das Wirtschaftssystem, würde Japan einen deutlich besseren Rangplatz erreichen. Allerdings hat sich die japanische Platzierung auch hier in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Was dem japanischen System zugute kommt und auch in der Vergangenheit zugute kam, ist die hohe Systemproduktivität, das heißt die günstige Relation von Output und Input, wie sie im Innovationsindikator berechnet wird. Japan ist sowohl beim Output als auch beim Input nicht spitze. Die Ergebnisse, die es mit den relativ geringen Investitionen erzielt, waren über Jahre hinweg aber sehr gut. Dies bedeutet, dass das japanische System eine hohe Produktivität aufweist, die nur noch geschlagen wird vom schweizerischen und zuletzt dem – wie wir heute wissen: überhitzten – irischen Innovationssystem. Das japanische Innovationssystem funktioniert also (noch) äußerst effizient im Vergleich zu den anderen Innovationssystemen, die im Innovationsindikator untersucht werden.
Der schlechte 19. Platz im Vergleich der 26 Länder in unserer Rangliste hat sich bereits vor der Atomkatastrophe von Fukushima gezeigt. Aufgrund der massiven Investitionen und der Produktionsausfälle 2011 wird sich diese Position kurzfristig aber auch nicht verbessern. Im Gegenteil: Japan wird noch stärker auch um den derzeitigen 19. Platz kämpfen müssen.
Forschungsstandort Fernost
Exzellente Infrastrukturen, gut ausgebildete Fachkräfte und steuerliche Vorteile: Asien bietet deutschen Unternehmen ideale Standortbedingungen für Innovationsprozesse.
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