Innovationsherd Asien

Asiatischer Wirtschaftsraum

In den vergangenen Jahren haben sich Ansätze eines asiatischen Wirtschaftsraums herausgebildet, der zwar weder in Größe noch bezüglich der Institutionalisierung mit der NAFTA oder der EU/EFTA zu vergleichen ist – ASEAN ist lediglich ein Zusammenschluss wirtschaftlich kleinerer südostasiatischer Staaten. Der asiatische Wirtschaftsraum könnte sich dennoch als dritter großer Markt in der Welt etablieren. Dafür spricht, dass sich wirtschaftliche Verflechtungen von Nachbarländern – wenn die wirtschaftlichen, technologischen und politischen Voraussetzungen zusammenpassen – aufgrund von kultureller und geografischer Nähe schneller und einfacher entwickeln lassen als mit weit entfernten Partnern.

Bereits heute engagieren sich beispielsweise Japan und Südkorea in ganz Asien und insbesondere in China. China selbst ist ebenfalls zunehmend im asiatischen Außenraum aktiv. Eine enge Kooperation mit seinen südlichen Nachbarn Vietnam oder Laos sowie die Verflechtung mit Taiwan sind dafür nur zwei Beispiele. China hat in diesem Zusammenhang eine Gravitationswirkung für die Entwicklung eines asiatischen Wirtschaftsraumes. So zeigen die Einzelindikatoren zu Kooperation im Innovationsindikator insgesamt eine steigende Bedeutung von internationaler Zusammenarbeit in Wissenschaft und Wirtschaft.

Die betrachteten asiatischen Länder haben dabei ausgeprägte Kooperationsbeziehungen zu ihren Nachbarn, die häufig über dem durchschnittlichen Gesamtwachstum der Außenbeziehungen liegen. Die Interessen von Japan und Südkorea in China sind derzeit noch in erster Linie die Nutzung von Kostenvorteilen. Wie der neue Innovationsindikator zeigt, wird China zu einem neuen großen Player, der mittelfristig nicht nur als verlängerte Werkbank mit Kostenvorteilen fungiert, sondern selbstständig Innovationen hervorbringt und einen eigenen Markt mit starker Nachfrage bei steigender Kaufkraft bildet. Das wird dann dem gesamten asiatischen Kontinent zugutekommen.

Konsequenzen für Deutschland
Für Deutschland gilt es, China als relevanten Akteur auf internationalen Technologiemärkten zu akzeptieren – denn daran kann man wenig ändern. Die Chancen, die sich für Deutschland aus gezielten Partnerschaften in strategisch wichtigen Bereichen ergeben, sind enorm. Wenn sich ein größerer chinesischer oder gar asiatischer Markt mit höherer Kaufkraft herausbildet, dann wird dies langfristig Deutschland mehr nutzen als schaden.

Dass Deutschland nicht auf der Stelle treten darf, wenn viele andere Länder sich dynamisch entwickeln, ergibt sich klar aus der Datenlage des Innovationsindikators. Zentral wird in Zukunft sein, dass relevante Teile der Wertschöpfungsketten in Deutschland angesiedelt sind, sodass das bestehende Wohlstandsniveau auch langfristig aufrechterhalten werden kann. Die Strategie hierfür im Umgang mit China wie auch mit allen anderen Konkurrenten und Partnern auf nationalen wie internationalen Märkten lautet: Innovation und Vorsprung durch Wissen.

Mehr Themen
Ausblick: Asien

Gesamtindikator
Schweiz
76
Singapur
63
Schweden
61
Deutschland
57
Finnland
57
Niederlande
56
Norwegen
55
Österreich
53
USA
53
Belgien
52
Kanada
51
Taiwan
50
Dänemark
50
Frankreich
50
Großbritannien
49
Australien
48
Irland
47
Korea
43
Japan
39
Spanien
24
China
18
Italien
16
Indien
12
Russland
10
Brasilien
0
Südafrika
0
Alle Berechnungen auf Basis der neuen Methode
Quelle: Innovationsindikator 2011