Methodik

Indikatorenauswahl

Die Indikatorenauswahl ist von zentraler Bedeutung für die Erstellung des Innovationsindikators. Hierfür werden theoretische und statistische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

Beim früheren Innovationsindikator wurde vor allen Dingen auf das analytische Potenzial des Innovationssystemansatzes gesetzt. Das Kontextwissen über die Funktionsweisen des Innovationssystems wurde zur Basis der Indikatorenauswahl. Mit Blick auf das Innovationssystem wird deutlich, dass der Innovationssystemansatz als primär theoriegeleitete Heuristik nicht ausreichend Möglichkeiten für eine fokussierte Suche nach geeigneten Indikatoren liefert. Daher wurde das Theoriemodell im neuen Innovationsindikator, wie bereits oben erläutert, um eine produktionstheoretische Komponente erweitert.

Nach der Produktionslogik werden Innovationsoutputs durch Inputs unter Berücksichtigung von förderlichen und hinderlichen Rahmenbedingungen produziert. Sie repräsentiert dabei nicht nur eine theoretische Denkrichtung, sondern liefert gleichzeitig auch ein statistisches Modell, mit dem sich auf Basis der gesammelten Daten testen lässt, welche Inputs und Rahmenbedingungen tatsächlich relevant und welche weniger zentral für die Innovationsfähigkeit eines Landes sind.

Es kann so zum Beispiel überprüft werden, ob die Risikobereitschaft der Bewohner eines Landes oder staatliche Subventionen einen signifikanten Einfluss auf Outputs (zum Beispiel Patente) haben oder ob dieser Zusammenhang nicht besteht. Für den Innovationsindikator wurden nur solche Einzelindikatoren ausgewählt, für die ein signifikanter statistischer Zusammenhang nachweisbar ist. War dies nicht der Fall, wurden diese Indikatoren für den Innovationsindikator nicht berücksichtigt.

Insgesamt zeigte sich, dass für alle Indikatoren, die statistisch signifikante Zusammenhänge aufwiesen, die Effekte auch die theoretisch erwarteten Vorzeichen hatten. Insbesondere waren für alle potenziellen Inputindikatoren die Effekte auf die Outputs positiv, sodass insgesamt davon ausgegangen werden kann, dass die einzelnen Produktionsmodelle in den Subsystemen sinnvoll spezifiziert wurden.

Auf Basis dieser Analysen, die ausführlich im Methodenbericht beschrieben sind, wurde die Zahl der Indikatoren von ehemals circa 180 auf 38 verringert. Diese Reduktion der Anzahl der Einzelindikatoren trägt dazu bei, dass der aktuelle Innovationsindikator schlanker und leichter verständlich ist. Ein Überblick der Indikatoren nach Subsystemen findet sich in der nebenstehenden Tabelle.

Dabei sind einige Indikatoren mehr als einem Subsystem zugeordnet, weil sie an der Schnittstelle zwischen zwei Systemen liegen und sich daher nicht eindeutig nur einem System zurechnen lassen.

Es bleibt auch weiterhin ein Charakteristikum des Innovationsindikators, dass neben den harten Indikatoren (wie zum Beispiel Anzahl der Forscher, Patente oder Bruttoinlandsprodukt pro Kopf) auch weiche Kontextfaktoren einbezogen werden. Diese weichen Indikatoren werden auf qualitativen Skalen gemessen und beruhen zum Teil auf persönlichen Einschätzungen von Experten. Der Hauptvorteil der Einbeziehung solcher Einschätzungen ist darin zu sehen, dass es diesen Indikatoren eher gelingt, ein Gesamtbild zu zeichnen. Während harte Indikatoren zwar recht genau und verlässlich messen, bilden sie immer nur einen spezifischen Ausschnitt der Realität ab. Weiche Indikatoren hingegen können häufig ein zu messendes Phänomen besser in seiner gesamten Komplexität erfassen. Sie ergänzen harte sinnvoll, indem ansonsten schwer zu erfassende Komponenten des Innova-tionssystems sichtbar gemacht werden.

Insgesamt lassen sich zehn der 38 Indikatoren zu den weichen zählen, wobei sich diese in allen Subsystemen wiederfinden. Konkret sind dies die Qualität des Erziehungssystems (Bildung), die Qualität der mathematisch-naturwissenschaftlichen Erziehung (Bildung), der E-Readiness-Indikator (Gesellschaft), die Risikofreude (Gesellschaft), der Anteil der Postmaterialisten (Gesellschaft), die staatliche Nachfrage nach fortschrittlichen Produkten (Staat), die Nachfrage der Unternehmen nach technologischen Produkten (Wirtschaft), das Ausmaß von Marketing (Wirtschaft), die Intensität des einheimischen Wettbewerbs (Wirtschaft) sowie die Qualität der Forschungseinrichtungen (Wissenschaft). Alle Indikatoren werden für das Referenzjahr 2010 gemessen. Indikatoren, für die die aktuellsten verfügbaren Werte weiter zurück liegen, werden mithilfe von zeitreihenanalytischen Verfahren bis 2010 fortgeschrieben.

Berechnung des Innovationsindikators
Der Innovationsindikator wird berechnet, indem aus den Einzelindikatoren der Mittelwert gebildet wird. Dabei müssen allerdings zwei Dinge berücksichtigt werden.

Zum einen weisen die einzelnen Indikatoren unterschiedliche Skalen auf. So sind manche Indikatoren als Anteilswerte, andere als Pro-Kopf-Werte und andere wieder als Notenskalen (von 1 bis 7) gemessen. Die Bildung von Mittelwerten macht also ohne eine Vereinheitlichung der Einheiten keinen Sinn. Daher wurden die Indikatoren zuvor auf einheitliche Intervalle normiert. Diese Methode wird Reskalierung genannt. Alle Indikatoren wurden so auf die Werteskala 0 bis 100 transferiert.

Zum anderen hängt das konkrete Ranking, das ein Kompositindikator impliziert, von den Gewichten ab, mit denen die Einzelindikatoren berücksichtigt wurden. Ob ein Land A vor einem Land B liegt, hängt nicht nur von den konkreten Werten ab, die die Länder bezüglich der Einzelindikatoren aufweisen, sondern auch davon, ob die gewählten Aggregationsgewichte ein Land gegenüber einem anderen besserstellen, weil sie seine Stärken betonen.

Im Innovationsindikator wurde auf eine unterschiedliche Gewichtung der Einzelindikatoren verzichtet. Alle Indikatoren gehen mit gleichen Gewichten ein. Der Hauptgrund für diese Entscheidung: Jede Form der Gewichtung ist zwangsläufig subjektiv und zu einem gewissen Maß willkürlich, die Gleichgewichtung ist aber zumindest transparent und unmittelbar nachvollziehbar. Daneben leitet sich aus dem Innovationssystemansatz unmittelbar ab, dass eine Gewichtung nicht in allen Ländern gleich sein muss. Dies gilt dann zwar auch für die Gleichgewichtung, führt aber auch hier zu einer nachvollziehbaren und transparenten Bewertung.

Die gleiche Methodik findet für die Subsystemindikatoren Anwendung. Doppelt klassifizierte Indikatoren gehen dabei in jedes Subsystem mit dem vollen Gewicht von eins ein.

 

Gesamtindikator
Schweiz
76
Singapur
63
Schweden
61
Deutschland
57
Finnland
57
Niederlande
56
Norwegen
55
Österreich
53
USA
53
Belgien
52
Kanada
51
Taiwan
50
Dänemark
50
Frankreich
50
Großbritannien
49
Australien
48
Irland
47
Korea
43
Japan
39
Spanien
24
China
18
Italien
16
Indien
12
Russland
10
Brasilien
0
Südafrika
0
Alle Berechnungen auf Basis der neuen Methode
Quelle: Innovationsindikator 2011