Methodik

Kompositindikatoren

Kompositindikatoren sind ein empirisches Werkzeug, um komplexe sozioökonomische Phänomene messbar und damit vergleichbar zu machen. Sie sind ein beliebtes Instrument und bilden die Basis für viele Studien zu Themen des öffentlichen Interesses, die für den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozess unverzichtbar sind.

Kompositindikatoren dienen beispielsweise zur Messung des Entwicklungsstandes von Volkswirtschaften, der Wettbewerbsfähigkeit, aber auch der Innovationsfähigkeit. Eine umfangreiche Diskussion vergleichbarer Indikatorsysteme in diesem Umfeld wird im folgenden Kapitel vorgestellt.

Alle hier sichtbar zu machenden gesellschaftlichen Phänomene haben dabei trotz ihrer Unterschiedlichkeit ein verbindendes Element: Sie sind multidimensional und haben oft qualitative Facetten, die sich nicht ohne Weiteres mithilfe von einfachen Maßzahlen abbilden lassen. Es ist unmittelbar ersichtlich, dass dies auch für die Abbildung der Innovationsfähigkeit eines Landes gilt. Die Innovationsfähigkeit lässt sich eben nicht nur durch eine Messgröße abbilden, sondern hängt von der Leistungsfähigkeit der Unternehmen ebenso wie von der Wissensakkumulation (zum Beispiel in den Wissenschafts- und Bildungseinheiten) und den gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ab.

Hieraus folgt, dass sich die Messung der Innovationsfähigkeit nicht mit einigen wenigen oder gar nur einer einzigen Kennzahl begnügen darf, sondern explizit auf die Multidimensionalität eingehen muss. Daher müssen Indikatoren für alle relevanten Teilbereiche und Einflussgrößen für die Beschreibung der Innovationsfähigkeit gefunden werden.

Das Konzept der Kompositindikatoren baut auf Einzelindikatoren wie zum Beispiel zum Wissenschaftssystem oder zu unternehmerischen Erfindungstätigkeiten auf, indem es die Einzelindikatoren in der Regel durch das Bilden von Mittelwerten zu einer Gesamtzahl aggregiert. Diese bildet durch das Einbeziehen im Idealfall aller relevanten Einflussgrößen der Innovationsfähigkeit ein relativ genaues und quantifiziertes Abbild, das Informationsgrundlage für politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse sein kann und dabei die Mehrdimensionalität von Innovationsfähigkeit in sich vereint. Ein Kompositindikator ist also die Zusammenfassung einer Vielzahl an einzelnen Indikatoren, der die Kommunikation und Vergleichbarkeit der Ergebnisse erleichtert.

Vor- und Nachteile von 
Kompositindikatoren
Zu den großen Vorteilen von Kompositindikatoren zählt vor allen Dingen ihr Potenzial als Kommunikationsinstrument. Sie weisen jedem Land bezüglich des zu messenden Phänomens genau eine Maßzahl zu. Daher sind sie in aller Regel leicht verständlich und nachvollziehbar. Da diese Zahl aber immer noch auf vielen Einzelindikatoren beruht, wird gleichzeitig das Ziel gewahrt, eine möglichst breite Informationsbasis zu berücksichtigen. Kompositindikatoren fassen also, kurz gesagt, komplexe Informationen einfach verständlich zusammen.

Die Vorteile sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese komprimierte Darstellung auch einen Preis hat. Zwei methodische Probleme sind von besonderer Bedeutung: Die Auswahl der Teilbereichsindikatoren und ihre Gewichtung. Zunächst müssen die relevanten Teilbereichs-indikatoren, die in diesem Fall die Innovationskapazität einer Volkswirtschaft in all ihren Facetten beschreiben, bestimmt werden. Da der Kompositindikator diese Auswahl voraussetzt, kann das durch ihn bereitgestellte Instrumentarium hierzu wenig beitragen. Vielmehr muss die Auswahl auf Basis von Experten- und Kontextwissen sowie weitergehenden statistischen Analysen getroffen und untermauert werden. Da ferner Kompositindikatoren die Einzelindikatoren über das Bilden von Mittelwerten zu einer Maßzahl aggregieren, können die Ergebnisse von der Gewichtung der Teilbereichsindikatoren abhängen. Beispielsweise kann ein Indikator (zum Beispiel Patente) für besonders relevant gehalten werden und daher ein höheres Gewicht erhalten als ein anderer Indikator. Es ist sofort ersichtlich, dass das Endergebnis vom Gewichtungsschema beeinflusst wird. Es ist also zumindest zu diskutieren, wie robust die Ergebnisse gegenüber Gewichtungsveränderungen sind.

Diese zwei Herausforderungen bildeten unter anderem den Ausgangspunkt für methodische Anpassungen beim neuen Innovationsindikator. Grundlage für die notwendigen technischen Anpassungen war eine entsprechende theoretische Erweiterung, da diese für eine sinnvolle Indikatorenauswahl unerlässlich ist.

Gesamtindikator
Schweiz
76
Singapur
63
Schweden
61
Deutschland
57
Finnland
57
Niederlande
56
Norwegen
55
Österreich
53
USA
53
Belgien
52
Kanada
51
Taiwan
50
Dänemark
50
Frankreich
50
Großbritannien
49
Australien
48
Irland
47
Korea
43
Japan
39
Spanien
24
China
18
Italien
16
Indien
12
Russland
10
Brasilien
0
Südafrika
0
Alle Berechnungen auf Basis der neuen Methode
Quelle: Innovationsindikator 2011