Innovationsindikator 2011

Anschluss zur Spitzengruppe

Der neue Innovationsindikator ist erschienen. Deutschland belegt darin einen beachtlichen 4. Platz. Das Bildungssystem schneidet wie in den Vorjahren jedoch schlecht ab.

Die finanziellen Anstrengungen von Wirtschaft und Politik haben sich gelohnt: Deutschland ist in den vergangenen Jahren innovationsfreudiger und damit wettbewerbsfähiger geworden. Schwarz auf weiß belegt dies nun der Innovationsindikator 2011 – herausgegeben von der Telekom-Stiftung und dem Bundesverband der Deutschen Industrie. Mit einem guten 4. Platz verpasst Deutschland nur knapp das Podest der Innovationsführer.

Effiziente Investitionen
Der Innovationsindikator vergleicht die Innovationsstärke Deutschlands mit jener der 25 wichtigsten Industrieländer in Europa, Asien und Nordamerika. Lag Deutschland 2009 noch auf einem Platz im Mittelfeld, muss es in diesem Jahr lediglich die schon immer sehr gute Schweiz mit einem Indexwert von 76, Schweden (61) und das neu in die Spitzengruppe vorgedrungene Singapur (63) vorbeiziehen lassen. Mit 57 von 100 möglichen Punkten liegt die Bundesrepublik auf dem 4. Platz des Rankings. „Zwar hat sich die Methodik des Indikators seit 2009 verändert, doch die bessere Platzierung Deutschlands ist nicht allein darauf zurückzuführen. Vielmehr haben die Innovationsanstrengungen von Unternehmen und Politik und die stetig gestiegenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung endlich Früchte getragen“, sagt Professorin Marion Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung. Das Institut erarbeitete den Innovationsindikator zusammen mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und dem Maastricht Economic and Social Research Institute on Innovation and Technology der Universität Maastricht.

Neben den effizienten Investitionen ist Deutschland auch die Weltfinanzkrise zugutegekommen. Während die Bundesrepublik relativ robust auf die Krise reagiert hat, haben andere Länder stärker gelitten, sodass Deutschland auch deswegen Plätze gutmachen konnte. Die anderen hoch entwickelten Industrienationen haben in den vergangenen Jahren nur wenig in Forschung und Entwicklung investiert und ihre Indexwerte daher kaum verändern können. Deutschland ist die einzige Industrienation, der dies gelungen ist.

Mehr Forschungspersonal eingestellt
Seit 2008 hat sich die Innovationsfähigkeit Deutschlands in vielen Teilbereichen verbessert. Vor allem bei der Forschung hat Deutschland zugelegt: Die Bundesregierung hat beispielsweise Maßnahmen im Rahmen ihrer Hightech-Strategie umgesetzt, die Ausgaben für Forschung an Hochschulen und in außeruniversitären Forschungseinrichtungen erhöht. Auch die Exzellenzinitiative und der Pakt für Forschung und Innovation haben positive Wirkung gezeigt. Zudem wurde mehr Forschungspersonal eingestellt. Die Anstrengungen der Privatwirtschaft entsprechen dagegen dem internationalen Durchschnitt. Insgesamt stellen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung mit einem Quotienten von 2,78 einen so hohen Anteil am Bruttoinlandsprodukt wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Im Bildungsbereich fällt Deutschland auch 2011 wieder mit schlechten Resultaten auf. Im Ländervergleich erreicht es nur Platz 17 von 26. Dabei hat sich Deutschland in der Mehrheit der Einzelindikatoren zur Bildung in den vergangenen Jahren stetig verschlechtert. Sogar in der ehemaligen deutschen Stärke, dem Anteil der Promovierten in den MINT-Fächern, ist die Bundesrepublik mittlerweile nur noch Mittelmaß (Rang 8). Vor allem die geringe Quote von Hochschulabsolventen fällt negativ ins Gewicht. Eine alarmierende Entwicklung, zumal Bildung und Qualifikation angesichts des demografischen Wandels und einer zunehmenden Wissensintensivierung der Wirtschaft zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen werden. Das deutsche Bildungssystem bedarf weiterhin grundlegender Reformen, um in seiner Qualität zu den führenden Ländern aufzuschließen.

Bei den Outputfaktoren, wie zum Beispiel Patenten, erreicht Deutschland den 5. Rang und ist damit im Vergleich zur vorherigen Auswertung leicht zurückgefallen. „In den kommenden Jahren ist aufgrund der positiven Entwicklungen bei den Investitionen allerdings mit einer Verbesserung der Outputfaktoren – vor allem in der öffentlichen Forschung – zu rechnen. Von dort aus könnte der Aufschwung begleitet durch entsprechende Mechanismen auch auf die Privatwirtschaft und das Gesamtsystem überspringen“, sagt Marion Weissenberger-Eibl. Würden sich Unternehmen stärker engagieren, könnten noch größere Wirkungen erzielt werden, da die Wirtschaft größeres Gewicht als der öffentliche Sektor hat.

Keine Momentaufnahme

Trotz Verbesserungspotenzial, die Analyse des Innovationssystems fällt insgesamt gut aus: Auch 2010 gehörte das deutsche Innovationssystem zu den effizientesten und produktivsten Systemen der Welt. Gemessen wird diese Systemproduktivität über die Relation von Output zu Input. Das bedeutet: In Deutschland wird mit den getätigten Investitionen zurzeit viel erreicht. Auch bei der Arbeits- und der Kapitalproduktivität kann die Bundesrepublik im Innovationsindikator 2011 glänzen. Die hohen Produktivitätswerte sind wichtige Stärken Deutschlands im internationalen Innovationswettbewerb.  

Dass das gute Abschneiden Deutschlands nur eine Momentaufnahme ist und das Ranking im kommenden Jahr deutlich schlechter ausfällt, ist nicht zu befürchten. Deutschlands Innovationserfolg steht auf einem breiten Fundament. Zu diesem Ergebnis kommt die von den Innovationsexperten durchgeführte Sensitivitätsanalyse. Sie analysiert die Auswirkungen von Wertschwankungen auf das Gesamtergebnis. Zwar liegen die Länder im Mittelfeld eng beieinander, Deutschlands 4. Platz ist danach aber relativ schwankungsresistent. Es bestehen sogar gute Chancen, das Gesamtergebnis zukünftig noch zu verbessern. Für Deutschland stellt sich also weniger die Frage, ob es dauerhaft seinen 4. Platz verteidigen kann, vielmehr ist interessant, ob es Deutschland mit den Investitionen der vergangenen Jahre und den geplanten Investitionen gelingt, in die Spitzengruppe aus Schweiz, Singapur und Schweden vorstoßen zu können.

Gesamtindikator
Schweiz
76
Singapur
63
Schweden
61
Deutschland
57
Finnland
57
Niederlande
56
Norwegen
55
Österreich
53
USA
53
Belgien
52
Kanada
51
Taiwan
50
Dänemark
50
Frankreich
50
Großbritannien
49
Australien
48
Irland
47
Korea
43
Japan
39
Spanien
24
China
18
Italien
16
Indien
12
Russland
10
Brasilien
0
Südafrika
0
Alle Berechnungen auf Basis der neuen Methode
Quelle: Innovationsindikator 2011

Innovationsindikator 2011

Die Studie vergleicht die Innovationsstärke Deutschlands mit jener der 25 wichtigsten Industrieländer in Europa, Asien und Nordamerika.
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Literaturverzeichnis

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