Frauen in Wissenschaft und Forschung

Der weite Weg zur Chancengleichheit

Qualifizierte Mitarbeiter sind das A und O im Innovationsprozess. Ohne sie gerät er ins Stocken – gerade in hoch entwickelten Industriestaaten wie Deutschland. Angesichts des demografischen Wandels wird der Mangel an Fachkräften in Deutschland immer offensichtlicher. Ein Weg zur Abhilfe, den Anteil von Frauen in Forschung und Innovation zu erhöhen, wird in Deutschland nur sehr zögerlich beschritten. Was bereits getan wird und wo es noch hakt, zeigen zwei eindrucksvolle Beispiele. 

Derzeit geht Deutschland mit dem Potenzial der Frauen in Forschung und Innovation sehr verschwenderisch um. Denn von den 450.000 Menschen, die zurzeit in Deutschland im Bereich von Forschung und technologischer Entwicklung in Wirtschaft und Wissenschaft arbeiten, sind weniger als ein Viertel weiblich. In den meisten Vergleichsländern ist der Anteil von Frauen in der Forschung deutlich höher.

Wenn Frauen in der Forschung tätig sind, arbeiten sie meist in öffentlichen Einrichtungen: In den außeruniversitären Forschungseinrichtungen liegt die Frauenquote bei 30 Prozent, an Hochschulen bei einem Drittel. In den FuE-Abteilungen von Unternehmen arbeiten lediglich zwölf Prozent Frauen. Dort ist der Nachholbedarf besonders hoch, bedenkt man, dass in Frankreich, Schweden oder den Niederlanden – also in Ländern mit einer ähnlichen Wirtschaftsstruktur – deutlich mehr Frauen in Unternehmen beschäftigt sind.

Hochqualifizierte Frauen gibt es in Deutschland ausreichend - allerdings streben nur wenige von ihnen in MINT-Berufe. (Bild: Universität Köln)
Hochqualifizierte Frauen gibt es in Deutschland ausreichend - allerdings streben nur wenige von ihnen in MINT-Berufe. (Bild: Universität Köln)

Hoher Arbeitseinsatz und zeitliche Flexibilität
Am Qualifikationsniveau der Frauen liegt es in Deutschland nicht: Seit vielen Jahren ist etwa die Hälfte der Studierenden weiblich, und bei den Berufstätigen mit Hochschulabschluss sind es immerhin 41 Prozent. Allerdings wählen Frauen häufiger Studienfächer, die für FuE-Abteilungen weniger wichtig sind: Medizin sowie geistes-, sozialwissenschaftliche oder musische Fächer. In den für die Wirtschaft bedeutsamen Ingenieurwissenschaften machen die Frauen nur 22 Prozent aus. Doch die Fächerwahl ist nur eine Ursache. Vielmehr machen spezifische Anforderungen, die an das FuE-Personal in Unternehmen gestellt werden und mit einer Familie oft nur schwer vereinbar sind, den Müttern und Vätern das Leben schwer: hoher Arbeitseinsatz und hohe zeitliche Flexibilität. Bemerkbar macht sich die mangelnde Familienkompatibilität vor allem bei den Frauen.

An deutschen Hochschulen kommt noch die unsichere Beschäftigungssituation mit vielen befristeten Verträgen und systematischer Unterbezahlung hinzu. Unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Mittelbau – bei Frauen (75 Prozent) wie Männern (73 Prozent) – ist die Kinderlosigkeit enorm hoch, wie eine aktuelle Studie der Technischen Universität Dortmund belegt. Eine Rückkehr nach der Familienphase ist oft schwierig, die schnelle Rückkehr, wie es die Wissenschaft erfordert, oft nur schwer möglich.

Frauenquote als Mittel zum Zweck

Viele Unternehmen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Hochschulen haben dies zwar erkannt. Doch viele richtige Maßnahmen etwa zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie flexible Arbeitszeiten und Pausen für Familienphasen, betriebsnahe Betreuungseinrichtungen und Mentorinnenprogramme führen nicht zu einem schnellen Anstieg des Frauenanteils. Auch die Ermunterung von Schülerinnen und jungen Frauen über spezielle Angebote im schulischen Wahlbereich und  außerschulische Angebote wie Girls’ Days, MINT-Berufe zu ergreifen, erhöht nur allmählich die Frauenquote. Zwischen 2003 und 2007 stieg der Anteil der Forscherinnen in Deutschland nur zaghaft – von 19 auf 23 Prozent. 

Eine der streitbarsten Soziologinnen Deutschlands, Prof. Dr. Jutta Allmendinger, plädiert in ihren Interviews denn auch immer wieder für eine Frauenquote – als Mittel zum Zweck für eine gleichberechtigte Partizipation der Geschlechter, vor allem bei der Besetzung von Führungspositionen. Denn erfolgreiche weibliche Vorbilder motivieren junge Frauen, es ihnen nachzumachen. Außerdem wissen Experten seit langem: Gemischte Teams, ob in FuE-Abteilungen oder Hochschulen, sind stabiler und kreativer und erbringen die besseren Arbeitsergebnisse.


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Alle Berechnungen auf Basis der neuen Methode
Quelle: Innovationsindikator 2011

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