Innovation leicht gemacht

Gutscheine für gute Ideen

Eine tolle Idee ist Bares wert. Diese Weisheit nahm das Land Baden-Württemberg beim Wort und fördert seit 2008 kleine Unternehmen mit Innovationsgutscheinen. Die Coupons können die Firmen nutzen, um ihre Erfindungen voranzutreiben. Mittlerweile hat die Gutschein-Idee bundesweit Nachahmer gefunden. 

Auf einer Reise durch China, weit ab von der grünen schwäbischen Alb, da wurde die Idee konkret. Es könnte doch mit einem Elektroroller funktionieren! Vater Joachim (67) und Sohn Andy Lorenz (39), beide an umweltfreundlicher Mobilität interessiert, entdeckten 2002 im Land der aufgehenden Sonne ihr Projekt der Zukunft: Einen sparsamen elektronisch, betriebenen Roller, den sie zunächst für den deutschen Markt umkonstruieren wollten. „Wir konnten in Asien sehr gut beobachten, welches Potenzial der Elektroroller in Großstädten hat. So viele Menschen nutzen ihn“, sagt Andy Lorenz, der Ingenieur in der Familie. Warum sollte das nicht auch für europäische Städte gelten?

Grüne Innovation dank Gutschein: Der Elektroroller "Geco".
Grüne Innovation dank Gutschein: Der Elektroroller "Geco".

Mit diesen Reiseerfahrungen im Kopf gründeten die beiden zuhause in Schelklingen, einem 7000-Einwohner-Ort bei Ulm, die Gesellschaft für umweltbewusste Fortbewegung (GUF). Der Elektroroller war genau das, was sie für den heimischen – zunehmend grün orientierten – Markt haben wollten: Ein leises, abgasfreies Zweirad, das an jeder normalen Steckdose wieder aufgeladen werden kann. Zunächst versuchten Vater und Sohn, die Räder in China produzieren zu lassen. Die Prozedur ließ jedoch zu wünschen übrig. Dann, bei einem Beratungsgespräch der IHK im Jahr 2008, fiel das erste Mal das Wort „Innovationsgutschein“. Mit einem einfachen Antrag, so erklärte der Berater, könnte die GUF bis zu zwei Gutscheine beim Wirtschaftsministerium beantragen, um ihr Produkt in Kooperation mit einer Forschungseinrichtung voranzubringen. Insgesamt könnte die junge Firma dadurch bis zu 7.500 Euro sparen und mit Profis aus der Kraftfahrzeug-Industrie zusammenarbeiten. Das ließen sich Vater und Sohn nicht zweimal sagen. Sie nutzen die Gutscheine, um die europaweite Zulassung für den jetzt in Deutschland produzierten Elektroroller „Geco“ zu erlangen.

Praxis und Forschung müssen ihre Distanz überwinden
Die Gutschein-Initiative stieß bei vielen Kleinunternehmern im Südwesten Deutschlands auf offene Ohren. Im Wirtschaftskrisenjahr 2008 startete das Land Baden-Württemberg ein Modell-Projekt zur Stärkung der Innovationskraft des Mittelstandes. „Kleine und mittlere Unternehmen erhalten unter bestimmten Voraussetzungen eine finanzielle Förderung für die Planung, Entwicklung und Umsetzung neuer Produkte oder Dienstleistungen“, kündigte der damalige Wirtschaftsminister Ernst Pfister an. Ein wichtiges Ziel war es, Unternehmen und Entwicklungseinrichtungen näher zusammenzubringen. Denn: „Die Distanz zwischen unternehmerischer Praxis und der Forschung, selbst der angewandten Forschung, ist immer noch zu groß“, stellte Prof. Peter Schäfer, zuständiger Projektleiter im Baden-Württemberger Wirtschaftsministerium, zu Beginn der Initiative fest. Gleichzeitig ließ man das Projekt wissenschaftlich begleiten und auswerten. Eine kleine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf.

Auf den Geschmack gekommen
Bis Ende 2010 formulierten 1610 Firmenchefs ihre Anträge, davon hielten schließlich 1210 die Bewilligung in der Hand. Die meisten Antragssteller kommen aus dem verarbeitenden Gewerbe.

Mittlerweile hat das erfolgreiche Baden-Württemberger-Innovationsmodell bundesweit Nachahmer gefunden. Bayern, Sachsen, Berlin und NRW entwickelten teils deckungsgleiche Modelle. Nach mittlerweile drei Jahren Innovationsgutscheinsgeschichte zieht Prof. Peter Schäfer eine durchweg positive Bilanz für Baden-Württemberg: „Was die Kooperation zwischen den Kleinunternehmern und der Forschung angeht, ist unsere Zielsetzung voll aufgegangen“, sagt er. Schließlich hatten 70 Prozent der Antragsteller vorher noch nie mit einer Forschungseinrichtung zusammengearbeitet. „Mittlerweile sind die richtig auf den Geschmack gekommen“, sagt Prof. Peter Schäfer. Einige kleine Betriebe hätten bereits die zweite und dritte Förderung für weitere Innovationsvorhaben beantragt. „Das macht uns stolz.“

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Alle Berechnungen auf Basis der neuen Methode
Quelle: Innovationsindikator 2011

Innovationsindikator 2011

Die Studie vergleicht die Innovationsstärke Deutschlands mit jener der 25 wichtigsten Industrieländer in Europa, Asien und Nordamerika.
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Methodenbericht
Literaturverzeichnis